Gute Führung schafft gutes Klima © elenabs, tatianazaets, aklionka, macrovector / Thinkstock

Gute Führung schafft gutes Klima

Wertschätzung und Respekt gegenüber Beschäftigten zahlt sich aus.

Der Reinigungsmittelhersteller Dr. Schnell aus München legt Wert auf gesunde Führung. Der respektvolle Umgang mit Beschäftigten schafft nicht nur ein gutes Arbeitsklima, in dem alle gerne zur Arbeit kommen, auch die Vorgesetzten profitieren davon. Der Krankenstand ist zum Beispiel erheblich niedriger als in vergleichbaren Unternehmen.

 

Die Beschäftigten zu Wort kommen lassen, zuhören und ernst nehmen

Bei Dr. Schnell wird der kommmitmensch gelebt. Als die Ideenbox eingeführt wurde, in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zettel einwerfen konnten, mit Informationen was sie stört, was ihnen gut gefällt und was sie gerne ändern oder verbessern möchten, war das ein Schritt in die richtige Richtung. Die Ideenbox schafft positive Identifikation und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Regelmäßig sichtet die Geschäftsführung mit dem Management-Team alle Ideen, überlegt gemeinsam Lösungen und bespricht mit der jeweiligen Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter wie genau eine Umsetzung funktionieren könnte. Dabei wurden schon ganz verschiedene Vorschläge umgesetzt.

 

Anregungen ernst nehmen, heißt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst nehmen

 „Manch einer wünschte sich ein bestimmtes Firmenevent, eine andere bemängelte Energieverschwendung. Manche Vorschläge wirken banal, sind den Beschäftigten aber wichtig“, sagt Führungskraft Franz Felbermeir. „So wurde einmal kritisiert, dass in unserem Archiv das Licht ständig brennt. Wir haben dann einen Bewegungsmelder eingebaut.“ Andere Vorschläge betreffen die Arbeitsorganisation: So können Beschäftigte in der Produktion am Fließband ihre Positionen wechseln. Seitdem stieg die Produktivität, die Stimmung ist besser und die Fehlzeiten sind gesunken. „Wir engagieren uns nicht nur, weil es sich für uns lohnt, sondern weil wir wirklich wollen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier wohlfühlen“, sagt Felbermeir. Vielleicht ist es vor allem diese Haltung, die Dr. Schnell letztendlich erfolgreich werden lässt.

 

Great Place to work

Das Unternehmen Dr. Schnell ist 2017 zum dritten Mal als Great Place to Work ausgezeichnet worden. Es ist vor allem die Unternehmenskultur, die Jury und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugen. In Unternehmen, in denen solche Ansätze guter Führung funktionieren, in denen Beschäftigte morgens gerne zur Arbeit kommen, in denen sie das Gefühl haben, dass sich ihre Vorgesetze um sie kümmern und für sie da sind, ist der Krankenstand deutlich geringer als in anderen Unternehmen. Das ist das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien. Führungskräfte haben einen wesentlichen Anteil daran: Eine aktuelle Untersuchung der Universität St. Gallen kamen zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etwa 30 Prozent engagierter sind, die allgemeine Unternehmensleistung um 15 Prozent steigt und die Kündigungsabsichten um 75 Prozent sinken, wenn Führungskräfte das Prinzip einer „gesunden Führung“ verinnerlicht haben.
 

Wertschätzung ist wichtig

Franz Felbermeir arbeitet im Bereich Marketing. „Wir haben kein Regelwerk, in dem genau steht, wie wir uns verhalten sollen, damit sich unsere Beschäftigten bei uns wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen“, sagt Felbermeir. „Alles, was wir dafür tun, ist für uns selbstverständlich.“ So legt das Unternehmen Wert auf flache Hierarchien, auf Wertschätzung, Ehrlichkeit und die eigene Vorbildfunktion. Ein Teil der Vorgesetzten kommt morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit. Es gibt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung Yoga und es wurden bereits Kurse für Rückenschule angeboten. In der Kantine wird frisch gekocht – von fertig angelieferten Speisen hält Chef Thomas Schell nichts.

 

Unternehmenskultur braucht ein Vorbild

 „Unsere Unternehmenskultur lebt in erster Linie davon, dass sie vorgelebt wird“, sagt Felbermeir. „Führungskräfte gehen miteinander und mit ihrem Team wertschätzend um und erwarten, dass die Beschäftigten das auch untereinander tun.“ Damit das im turbulenten Arbeitsalltag funktioniert, gibt es für Führungskräfte regelmäßige Seminare und Workshops. Wer neu in eine Führungsposition aufgestiegen ist, wird intensiv auf seine neue Stellung vorbereitet und in mehrtägigen Seminaren geschult.

 

Onboarding Programme hilft beim guten Start

In den Workshops haben die Führungskräfte auch festgelegt, wie sie mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen wollen und was sie tun wollen, damit sich neue Kolleginnen und Kollegen im Team wohl fühlen. Seitdem gilt: Ab dem ersten Tag wird jeder stets mit Namen, gerne auch mit Vornamen angesprochen. Bei Ausflügen, beispielsweise zum Klettern, Rafting oder Kanu-Fahren sollen die Beschäftigten sich besser kennenlernen und gleichzeitig auch besser zusammenarbeiten. Außerdem bekommt jedes Team ein Budget zur Verfügung gestellt, kann dann selbst entscheiden, wofür das Geld genau eingesetzt wird. „Wir schreiben niemandem vor, was genau passieren soll“, sagt Franz Felbermeir. „Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass die meisten Beschäftigten gemeinsame Ausflüge planen, also etwas machen, das allen gefällt.“

 

Der Artikel erschien in „topeins – Das Magazin für Führungskräfte“. Den ganzen Beitrag können Sie hier lesen:

https://topeins.dguv.de/sicher-gesund-fuehren/gute-fuehrung-schafft-gutes-klima/

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