Eine Person sitzt vor einem Laptop und hat ein kleines Mädchen auf dem Schoß © DGUV

Im Homeoffice mit Kindern: So kann Überforderung vermieden werden

Die Arbeit im Homeoffice hat ihre Tücken - vor allem für Mütter und Väter. Infolge der Corona-Pandemie müssen viele (Allein-)Erziehende seit Wochen von zu Hause aus arbeiten und sich gleichzeitig um ihre Kinder kümmern. Dieser Spagat zehrt an den Nerven und stellt für viele eine psychische Belastung dar. Zwischen Telefonkonferenzen, technischen Problemen und Kindergeschrei stoßen immer mehr Mütter und Väter an ihre Grenzen.

Um eine Überforderung zu vermeiden, ist es wichtig, dass Eltern sich nicht zusätzlich unter Druck setzen. Wer die eigenen Erwartungen etwas herunterschraubt, ist nicht nur entspannter, sondern meistert die doppelte Belastung in der Regel besser. Berufstätige Erziehende im Homeoffice können auch Nein sagen – sowohl was die Anfragen des Arbeitgebers als auch die Wünsche der Kinder betrifft. Niemand schafft beide Aufgaben zu hundert Prozent. Auch der Kontakt zu anderen Eltern im Homeoffice zeigt: Niemand ist perfekt.

Während sich zwei Elternteile die Aufgaben bei der Kinderbetreuung gerecht aufteilen können, sind Alleinerziehende von morgens bis abends für ihre Kinder, für ihren Job und für den Haushalt im Einsatz. Umso wichtiger sind Informationen und eine zentrale Anlaufstelle. Der Landesverband alleinerziehender Mütter und Väter hat anlässlich der Corona-Pandemie eine Krisenhotline für Alleinerziehende eingerichtet.

Auch der Arbeitgeber kann wesentlich dazu beitragen, berufstätige Mütter und Väter im Homeoffice zu unterstützen. Gute Führung hilft dabei, Stress abzubauen. „Am wichtigsten sind klare Kommunikation, Transparenz und die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gilt für den ‚regulären‘ Arbeitsalltag und ist jetzt noch wichtiger geworden“, sagt Dr. Marlen Cosmar, Psychologin und Referentin am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Das heißt für die Führungskraft beispielsweise: Telefonkonferenzen so zu legen, dass Mitarbeitende, die ihre Kinder zu Hause betreuen, auch daran teilnehmen können.“ Weitere Informationen und konkrete Maßnahmen, wie Unternehmen die Belastung berufstätiger Eltern abfedern können, zeigt das Interview mit Dr. Marlen Cosmar.

Führungskräfte müssen nicht nur die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden gewährleisten, sondern sich selbst vor Überlastung schützen. Sicheres und gesundes Arbeiten hat auch im Homeoffice höchste Priorität - für Arbeitnehmende und Arbeitgebende gleichermaßen.

Trotz aller Herausforderungen bergen die außergewöhnlichen Umstände auch neue Möglichkeiten für das Eltern-Kind-Verhältnis. Wie gelingt der Spagat zwischen Homeoffice und Erziehung – ohne völlige Überforderung? Diese Tipps helfen:

Organisation

Feste Regeln, klare Strukturen und eine ehrliche Kommunikation tragen dazu bei, Chaos zu vermeiden.

Den Tag planen

Ein fester Tagesablauf vermittelt den Kindern Halt und Sicherheit. Um den Tag gut zu gestalten, ist es ratsam, die Woche im Voraus zu strukturieren und etwa Arbeits-, Essens- und Schlafenszeiten festzulegen. Dazu eignet sich ein gemeinsam erstellter Stundenplan, der den Tag in zeitliche Blöcke gliedert und Aufgaben an die einzelnen Familienmitglieder verteilt. Routinen wie das gemeinsame Frühstück helfen der ganzen Familie, einen Tagesrhythmus zu erzeugen. 

Die Lerneinheiten der Kinder sollten morgens oder vormittags stattfinden, da dann die Konzentrationsfähigkeit am höchsten ist. Der Nachmittag wird überwiegend mit Sport-, Spiel- und Freizeitaktivitäten gestaltet. Für eine bessere Planung können Eltern in einer separaten Spalte festhalten, wer zu welchen Zeiten die Kinderbetreuung übernimmt. In einer weiteren Spalte werden die Zeitfenster für unterschiedliche Aktivitäten eingetragen. Erledigte Aufgaben werden farblich gekennzeichnet.

Bedürfnisse äußern

Kommunikation ist das A und O, um Missverständnissen vorzubeugen. Berufstätige Eltern sprechen mit ihren Kindern darüber, wieviel Zeit das Homeoffice beansprucht – und was dies für den gemeinsamen Alltag bedeutet. Am besten erklären sie ihren Kindern beispielhaft, weshalb das Homeoffice eine ruhige Arbeitsatmosphäre benötigt, und dass sie nach der Arbeit Zeit für gemeinsame Aktivitäten haben. Auch ältere Kinder können sich zumindest zeitweise um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Regelmäßige Familienkonferenzen helfen dabei, Konflikte zu lösen und die Wünsche aller Familienmitglieder zu berücksichtigen. Kinder freuen sich über regelmäßiges Lob – auch für Aufgaben im Haushalt. Besonders jetzt ist es wichtig, Ruhe und Optimismus auszustrahlen.

Arbeitsplatz sicher einrichten

Die Verlagerung des Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände kann ein Unfallrisiko bergen – für Eltern wie für Kinder. Um Stolperfallen zu vermeiden, sollten lose PC-Kabel gut verstaut oder am Boden festgeklebt werden. Kinderspielzeug hingegen hat am Arbeitsplatz nichts zu suchen. Eine improvisierte „Bannmeile“ um den Schreibtisch - beispielsweise aus Kissen oder Klebeband - signalisiert Kindern, dass hier der Bereich der Erwachsenen beginnt. Außerdem sollten berufstätige Mütter und Väter nicht gleichzeitig kochen und arbeiten, da unbeaufsichtigte Herdplatten eine Gefahrenquelle sind. Genauso riskant ist offenes Feuer, z.B. in Form von Kerzen. Weitere Tipps für ein sicheres Homeoffice bieten die Infografik der VBG sowie das Interview mit Arbeitspsychologe Prof. Dr. Dirk Windemuth.

Medien

Wie können Eltern ihre Kinder im sinnvollen Umgang mit Medien stärken, damit sie dabei Spaß haben, lernen und sich informieren? Die Arbeit von zu Hause aus bietet Familien eine gute Gelegenheit, altersgerechte Angebote aufzuspüren.

Medien gemeinsam entdecken

Im Internet gibt es eine Vielzahl an kindgerechten Filmen, Apps, Sendungen, Webseiten und Hörmedien. Wichtig dabei ist die richtige Auswahl der Medieninhalte und Lernangebote. Eltern stärken ihre Kinder im sinnvollen Umgang mit Medien, indem sie Bildschirmzeiten vereinbaren und Regeln aufstellen. Ausnahmen sollten aber erlaubt sein. Verbringen die Kinder ausnahmsweise etwas mehr Zeit vor dem Bildschirm, müssen sich Mütter und Väter keine Vorwürfe machen. Der Elternratgeber SCHAU HIN! unterstützt Eltern bei der Medienerziehung und -aufklärung ihrer Kinder. Die Corona-Themenseite gibt Familien Empfehlungen für die gemeinsame Mediennutzung während der Corona-Krise.

  • Kinder zwischen 0-5: Kinder, die fünf Jahre alt oder jünger sind, sollten idealerweise täglich maximal eine halbe Stunde vor einem Bildschirm verbringen. Empfohlene Medien sind etwa die ElefantenApp, der Kindersender KiKA sowie altersgerechte Hörspiele.
  • Kinder zwischen 5-10: Kinder ab fünf Jahren können Apps wie die MausApp oder „Vogelwelt“ vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) nutzen, um die Natur spielerisch zu entdecken. Die empfohlene Bildschirmzeit für Kinder bis neun beträgt täglich höchstens eine Stunde.

Kinder zwischen 10-15: Unter älteren Kindern sind Soziale Netzwerke beliebt. Eltern können auf professionelle Empfehlungen von Mediencoaches zurückgreifen, um diese Apps zu prüfen.

Interessen fördern

Im Homeoffice sitzen Mütter und Väter oft lange am Schreibtisch – den Kindern bleibt also ausreichend Zeit, neue Hobbies zu entdecken. Ob Basteln, Singen oder Tanzen: Inzwischen existiert für (fast) jedes Interesse ein passendes Online-Angebot. Eltern dürfen aufatmen: Anstatt ihre Kinder von morgens bis abends zu beschäftigen, ist es sinnvoll, sie zwischendurch einfach spielen zu lassen. Das freie Spielen wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Kinder aus.

  • Kinder zwischen 0-5: Für Kleinkinder finden sich im Internet eine Menge Bastelanleitungen – etwa Ausmalbilder zum Ausdrucken oder eine Anleitung für die Herstellung von Knete.
  • Kinder zwischen 5-10: Eltern können ihren Kindern ein Tagebuch schenken. In diesem schreiben sie täglich auf, was sie während der Corona-Krise erlebt haben. Hier kann das Kind seine Sammelstücke aus dem Wald oder Park einkleben.

Kinder zwischen 10-15: Die Freizeit vieler Jugendliche ist durch soziale Netzwerke geprägt. Hier finden Eltern nützliche Informationen zu den einzelnen Angeboten.

Spiel und Sport

Der für Kinder so wichtige Sportunterricht sowie das Toben und Spielen mit Freunden fällt aktuell größtenteils weg. Die Aufgabe, für einen körperlichen und geistigen Ausgleich zu sorgen, liegt nun bei den Eltern:

Mehr Bewegung

Eltern und Kinder können den Morgen, die Mittagspause oder den Feierabend für gemeinsame Bewegung nutzen. Sport und Bewegung wirken Stress, Unausgeglichenheit und Verspannungen durch langes Sitzen entgegen. Rückenübungen für das Homeoffice finden berufstätige Eltern und Erziehende hier. Sollte es einmal an Ideen mangeln oder draußen regnen, können Familien auf die große Auswahl an Online-Sportvideos zurückgreifen – wie wäre es zum Beispiel mit Zumba oder Yoga?

  • Kinder zwischen 0-5: Für Kinder von null bis fünf Jahren bietet sich das gemeinsame Tanzen zu Kinderliedern und das Spielen im Garten oder im Park an.
  • Kinder zwischen 5-10: Eltern können mit ihren Kindern in der Pause beispielsweise Badminton oder Boule spielen. Auch das Springseil und der Hula-Hoop-Reifen sind beliebt. Auch auf Spielplätzen gilt der Mindestabstand von 1,50 Metern.

Kinder zwischen 10-15: Für Jugendliche kommen alle Sportarten infrage, die ohne Gruppen auskommen. Im Internet finden Eltern eine Menge kindgerechter Tutorials und Fitness-Videos.

Für Abwechslung sorgen

Um eine gesunde Entwicklung der Kinder zu sichern, wechseln sich Bewegungs- und Ruhephasen ab. In der Praxis bedeutet das: Damit den Kindern nicht langweilig wird, sorgen Eltern für so viel Abwechslung wie möglich. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um längerfristige Projekte voranzubringen und die Kreativität der Kinder zu fördern. Am besten achten Eltern darauf, tägliche Höhepunkte zu schaffen.

  • Kinder zwischen 0-5: Bei Kleinkindern sorgen beispielsweise eine abendliche Vorlesestunde oder ein Puppentheater für tägliche Highlights.
  • Kinder zwischen 5-10: Kinder zwischen fünf und zehn Jahren freuen sich über eine abendliche Kissenschlacht oder können Zaubertricks erlernen. Die Stiftung Haus der kleinen Forscher zeigt eine Vielzahl an kindgerechten Experimenten in den Bereichen Technik und Naturwissenschaften.
  • Kinder zwischen 10-15: Eltern können mit ihren Kindern im Feierabend gemeinsam neue Gerichte ausprobieren. Auch ein „Kinoabend“ mit selbstgemachtem Popcorn bringt Abwechslung in den Alltag.
  • Herausforderung Homeoffice

    Weitere Informationen zum Thema Homeoffice finden Sie auf der Themenseite

    Homeoffice-Seite
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