Eine Gruppe von Mitarbeitern eines landwirtschaftlichen Betriebs sitzen bei Kaffee zusammen um eine Einschätzung der betrieblichen Sicherheitslage zu treffen © DGUV

Mehr Inklusion kommt allen zu Gute

Wenn andere nur reden, dann handelt er. Wenn andere noch theoretisieren, dann hat der Vorsitzende der SVLFG Vertreterversammlung Heinrich-Wilhelm Tölle bereits die ersten Schritte getan. Inklusion ist für ihn weit mehr als ein Wort, es ist eine Einstellung. Einem seiner Mitarbeiter, der „nur“ einen Förderschulabschluss hatte, hat er eine Ausbildung ermöglicht. Diese Erfahrung bewegt ihn immer noch: „Er denkt präzise, ist hoch motiviert und es haut mich immer wieder um, was er leistet. Er brauchte am Anfang vielleicht mehr Unterstützung, aber seine Erfolgserlebnisse sind auch meine Erfolgserlebnisse und seine Entwicklung ist toll. Er würde mit mir durch dick und dünn gehen und ich weiß, dass ich mich 100 % auf ihn verlassen kann.“

Sein Sohn Richard, seit 2015 Betriebsinhaber des väterlichen Betriebs in Humfeld, ist nach einem schweren Autounfall nur bedingt körperlich belastbar und bei der praktischen Betriebsführung auf Hilfe von Mitarbeitern angewiesen. Auch hier müssen Arbeitsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen angepasst werden. Heinrich-Wilhelm Tölle: „Bei uns gibt es mehr Handläufe, die Wege müssen immer frei sein und wir überlegen halt vorher, welche Probleme auftreten könnten, machen uns die Gefahr bewusst und versuchen sie zu vermeiden.“

Generationswechsel – kein Modebeispiel, sondern ein fröhlicher Wettbewerb

Seine Ehefrau Renate Tölle ist in dritter Generation nach Mutter und Großmutter Betriebsleiterin auf Gut Rickbruch, das seit 1919 in der Familie ist. Heinrich-Wilhelm Tölle hatte einen eigenen Betrieb und ist seit der Hochzeit im Jahr 1980 ebenfalls auf Gut Rickbruch zu Hause. Beide Betriebsstandorte werden von dort bewirtschaftet. Vor fünf Jahren begann für ihn der Prozess der Gesamtbetriebsnachfolge mit der Hofübergabe seines elterlichen Betriebs. Für Heinrich-Wilhelm Tölle, der schon mit „1 ½ Jahren wusste“, dass er Bauer werden will, nicht ganz einfach, den Sohn auf der einen Seite nicht zu überfordern, auf der anderen Seite aber Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Für ihn ist es enorm wichtig, dass die Mitarbeiter tief in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden, damit sie verstehen, warum er wie handelt. Früher war es üblich, gegenüber den Mitarbeitern nur das Nötigste zu kommunizieren, das handhabt er anders. Er hofft und kann sich darauf verlassen, dass diese enge Verbundenheit mit den Mitarbeitern, dieses gewachsene Vertrauensverhältnis von seinem Sohn weitergeführt wird. „Die Zusammenarbeit mit meinem Sohn funktioniert aus meiner Sicht prima. Er ist der überlegte und rationale Typ und ich der emotionalere und mitteilungswilligere. Ich möchte mich nicht einfach schweigend zurücklehnen, mein Sohn muss schon lernen sich durchzusetzen – auch mir gegenüber.“

Lust auf Arbeit und Motivation fördern

Zum vierten Mal erstellen Vater und Sohn Tölle im Januar 2020 gemeinsam mit ihren 5 Mitarbeitern die Gefährdungsbeurteilung. Zwar nutzen sie dafür Vorlagen, aber auch hier machen die Tölles ihr eigenes Ding. „Wir nehmen uns einen vollen Nachmittag Zeit, es gibt Kaffee und Kuchen und wir reden miteinander. Was ist problematisch, wo gab es Auffälligkeiten, was können wir zusammen verbessern. Für uns geht das nur gemeinsam und harmonisch.“ Da gehört auch montags das Frühstück mit seinem Betriebsleiter dazu, das jährliche Ernteessen im Dezember, wo auch die freien Mitarbeiter eingeladen sind und es diesmal zum Neon- Minigolf mit anschließendem Büfett geht. Dazu gehört aber für ihn auch, dass er auch mal unbequeme oder sogar sehr persönliche Fragen stellt. Heinrich-Wilhelm Tölle: „Wenn ich merke, dass einer schlechte Laune hat, dann gehe ich hin und frage, was ihn bedrückt. Vielleicht hat er Probleme, dann kann er an diesem Tag vielleicht nur 70 % Leistung bringen. Manchmal muss man auch mit 70 % zufrieden sein.“

Hier finden Sie mehr zu Beteiligung und gutem Betriebsklima.

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