#Nachgefragt: Gesundheit der Schülerinnen, Schüler und aller Lehrkräfte im Fokus

Im Interview mit Andreas Zimmermann

Gesundheits- und Qualitätsentwicklungen an Schulen bedingen sich gegenseitig – denn Konzentration und Lernfähigkeit resultieren aus einem gesunden und ausgeglichenen Umfeld. Das Klaus-Steilmann-Berufskolleg hat mehrfach die Auszeichnung „Gute Gesunde Schule“ erhalten und zeigt, wie es funktionieren kann. Wir sprachen mit Andreas Zimmermann, Oberstudiendirektor des Berufsfkollegs, und fragten, nach welchen Werten und Konzepten die Schule unterrichtet.

Ihre Schule wurde schon mehrmals mit dem Schulentwicklungspreis „Gute Gesunde Schule“ der Unfallkassen Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Was machen Sie richtig?

Entsprechend des hohen Stellenwertes von Gesundheit in unserem Leitbild ist es uns wichtig, bei unserer alltäglichen Bildungsarbeit das Thema Gesundheit systematisch in alle Entscheidungsprozesse zu integrieren. Hierbei sind wir davon überzeugt, dass sich Gesundheits- und Qualitätsentwicklung an Schulen gegenseitig bedingen. Entwicklungen im Gesundheitsbereich verbessern die Bildungsqualität, verbesserte Bildungsqualität fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden aller am Schulleben Beteiligten.

Eine intensive Vernetzung mit zahlreichen Einrichtungen und Akteuren des Gesundheitswesens (z. B. Bergmannsheil Bochum, Helios-Klinik Bochum-Linden, Grönemeyer-Institut, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen) ermöglicht uns die regelmäßige Durchführung eines großen Gesundheitstages mit über 100 Veranstaltungen, an dem sämtliche Klassen aller Bildungsgänge teilnehmen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit werden zahlreiche Thematiken des Gesundheitstages im normalen Schulalltag weitergeführt. Im Rahmen unserer Schwerpunktsetzung „Psychische Gesundheit“ finden hierzu sehr interessante Projekttage mit Experten aus der Praxis statt; beispielhaft sei an dieser Stelle die Auseinandersetzung unserer Lernenden mit Online-, Handy- und Spielsucht genannt.

Der große Stellenwert von Gesundheit für unsere Schule kommt auch darin zum Ausdruck, dass wir in sämtlichen Bildungsgängen das Differenzierungsfach Gesundheit und zusätzlich eine Koordinierungsstelle für das Gesundheitsmanagement eingeführt haben. Hierdurch wird es möglich, neben einer systematischen Planung gesundheitsbezogener Aktivitäten auch durch konsequente Evaluation eine Optimierung dieser Maßnahmen zu erreichen.

Welche Rolle spielen Aspekte wie Führung, Kommunikation oder das Arbeitsklima bei der Gesundheit Ihrer Lehrkräfte?

Die Lehrer*innengesundheit ist seit vielen Jahren ein zentrales Element unserer Schulentwicklungsarbeit. Sowohl im Rahmen der BuG-Netzwerkarbeit als auch verschiedener Pädagogischer Tage am Klaus-Steilmann-Berufskolleg ist die Lehrer*innengesundheit fortwährend ein zentrales Thema: z.B. Training emotionaler Kompetenzen mit Prof. Sieland und Mitarbeitern, Stressbewältigung, Zeitmanagement, Yoga, Autogenes Training, Teachertool, Gesunder Rücken, Stimmtraining mit Logopäden, Umgang mit schwierigen Schüler*innen.

Auch das Schulleitungshandeln hat als erklärtes Ziel die Förderung der Lehrer*innengesundheit, dementsprechend nehmen bei der Neuentwicklung eines Stundenplan- und Vertretungskonzeptes die Wünsche der Lehrkräfte zu Bildungsgängen und Zeiten des Unterrichtseinsatzes einen großen Stellenwert ein. Die weitestgehende Berücksichtigung dieser Wünsche fördert in großem Ausmaß die Lehrer*innenzufriedenheit an unserer Schule.

Für die Gesundheit der Lehrkräfte förderlich ist auch das sehr gute Klima im Kollegium; unterstützend wirken hierbei eine sowohl häufige und intensive Kommunikation untereinander als auch viele gemeinsame Planungen im Sinne einer Teamkultur. Auch die gerechte Aufgaben- und Arbeitsverteilung orientiert an den jeweiligen Ressourcen der Lehrkräfte ist der Schulleitung ein wichtiges Anliegen.

Für den mitarbeiterorientierten Führungsstil am KSBK sind Transparenz und Partizipation wichtige Eckpfeiler des Schulleitungshandelns (z.B. Prioritätenliste für Beförderungen). Hierbei hält die Schulleitung die persönliche Wertschätzung der Arbeit der Lehrkräfte für bedeutsam, um deren Motivation und berufliche Entwicklung zu unterstützen (z.B. Mitarbeitergespräche).

Wie sorgen Sie als Schulleiter dafür, dass nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch die Schülerinnen und Schüler sicher und gesund durch den Tag kommen?

Die AG „Gute gesunde Schule“ hat einen Gesundheitsfragebogen als festes jährlich durchgeführtes Instrumentarium für unsere Lernenden entwickelt. Hierdurch wird es möglich, klassenspezifische Besonderheiten festzustellen und daraus entsprechende Maßnahmen abzuleiten. Beispielsweise zeigten sich in einer Lerngruppe besonders starke Prüfungsängste, denen entsprechend mit einem Kurangebot unserer fortgebildeten Schulsozialarbeiterin begegnet wurde.

Der gesundheitsbewusste Umgang mit Medien ist fester Bestandteil des Politik- und Gesundheitsunterrichtes zahlreicher Bildungsgänge geworden; es ist eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie der Helios-Klinik Bochum-Linden entstanden, welche mehrfach mit dem Chefarzt Dr. Richterich zu diesem aktuellen und wichtigen Thema für unsere Schülerinnen und Schüler Projekttage durchgeführt hat.

Darüber hinaus haben wir ein besonders starkes Beratungsangebot für unsere Lernenden geschaffen, das aus sieben Lehrkräften und drei Schulsozialarbeiter*innen besteht. Grundlage für diese sehr intensive Beratungsarbeit ist ein neu entwickeltes Beratungskonzept, um Zuständigkeiten und Beratungsanlässe zu systematisieren. Selbstverständlich ist auch die Schulleitung für die Schüler*innen nach dem Prinzip der „offenen Tür“ bei Bedarf ansprechbar.

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