Ines Kohl und Romy Krug über die kommmitmensch-Dialoge Berufliche Bildung

Es ist wichtig miteinander ins Gespräch zu kommen, um das Verständnis für sicheres und gesundes Verhalten zu schärfen. Die neuen kommmitmensch-Dialoge Berufliche Bildung ermöglichen dies nun auch in den Bildungseinrichtungen, die berufliche Bildungsmaßnahmen durchführen.

12.07.2021. Wer an Berufliche Bildung denkt, dem kommen zuallererst vielleicht Berufsschulen in den Sinn. Die Branche ist jedoch weitaus umfassender. Die VBG kümmert sich als gesetzliche Unfallversicherung mit rund 2.400 Mitarbeitenden bundesweit um mehr als 1,2 Millionen Unternehmen aus über 100 Branchen – vom Architekturbüro bis zum Zeitarbeitsunternehmen. Die Besonderheit ist die Vielfältigkeit der Einrichtungen, die berufliche Aus- und Weiterbildungen anbieten. Diese Fülle von Anbietern und unterschiedlichen Strukturen hat zur Folge, dass es für Führungskräfte und Angestellte nicht immer leicht ist, die Unternehmenskultur bezüglich Sicherheit und Gesundheit optimal zu fördern. Ines Kohl und Romy Krug von der VBG erläutern in einem Interview, wie die neuen kommmitmensch-Dialoge Berufliche Bildung dabei unterstützen können.

Die VBG ist eine der großen Berufsgenossenschaften in Deutschland. Können Sie uns kurz das Aufgabenspektrum erläutern?

Im Grunde sind zwei Kernaufgaben bei unserem täglichen Handeln entscheidend: Zum einen geht es um die Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Zum anderen ist schnelles und kompetentes Handeln im Schadensfall wichtig, um die Genesung der Versicherten optimal zu unterstützen. Wir registrieren jährlich 470.000 Unfälle und Berufskrankheiten und betreuen jeden Versicherten mit dem Ziel, dass die Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft wieder möglich ist.

Die VBG unterstützt mit branchenspezifischen Informationsangeboten beim betrieblichen Arbeitsschutz in beruflichen Bildungseinrichtungen. Gibt es Herausforderungen in den Unternehmen der beruflichen Bildung, die besonders herausstechen?

Unternehmen der beruflichen Bildung sind sehr heterogen, es gibt nicht „DIE“ Bildungseinrichtung. In diesen Unternehmen werden unterschiedlichste Maßnahmen der beruflichen Ausbildung, Fortbildung, Weiterbildung und Umschulung sowie arbeitsmarktpolitische Maßnahmen durchgeführt. Entsprechend der durchgeführten Bildungsmaßnahmen unterscheiden sich auch die Teilnehmenden an den Maßnahmen, vor allem im Hinblick auf Alter, sozialer Hintergrund, Motivation, Herkunft und Bildungsstand.

Als besonders herausfordernd sehen wir:

  • heterogene Zielgruppen (Teilnehmende) im ständigen Wechsel (Jugendliche, Nicht-Muttersprachler, Langzeitarbeitslose etc.)
  • sich ändernde Bildungsmaßnahmen, die kurzfristig organisiert werden müssen und oft mit einem hohen Dokumentationsaufwand verbunden sind
  • Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben sowie Praktikums-/Kooperationsbetrieben
  • psychische Belastung der Lehrkräfte bei der Arbeit mit den Teilnehmenden (u.a. emotionale Inanspruchnahme, auch durch Konflikte bis zu Gewalt)
  • die Vielzahl von Tätigkeiten mit erhöhtem Unfallpotential, zum Beispiel in Werkstätten oder in Praktikumsbetrieben
     

Mit den kommmitmensch-Dialogen zur Beruflichen Bildung gehen Sie das Thema an. Warum ist es aus Ihrer Sicht gerade jetzt Zeit für diese Version?

Bildungseinrichtungen sind ein Schwerpunkt der Kampagne kommmitmensch, da berufliche Bildungseinrichtungen neben Kitas, Schulen und Hochschulen eine wesentliche Rolle in der Aus- und Weiterbildung in Deutschland spielen. Wir erhalten viele Anfragen aus den Unternehmen, die durch andere Versionen der kommmitmensch-Dialoge bislang nicht adäquat bedient werden konnten. Zudem spielen die Corona-Schutzmaßnahmen eine große Rolle. Die Branche ist, wie viele andere auch, in einem besonderen Umbruch. Die dadurch entstehenden Herausforderungen, können mit einer proaktiven und wertschöpfenden Präventionskultur gemeistert werden. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt zur Reflexion der Unternehmenskultur, interner Prozesse und des Teambildungs.

Können Sie Zweck und Nutzen der Dialoge näher erläutern? An wen sind sie adressiert?

Die neuen kommmitmensch-Dialoge ermöglichen eine fundierte Auseinandersetzung mit Themen zu Sicherheit und Gesundheit im Arbeitsalltag. Die Themen sind verlaufen entlang der Handlungsfelder „Führung“, „Kommunikation“, „Beteiligung“, „Fehlerkultur“, „Soziales Klima“ und „Sicherheit und Gesundheit“. Das Angebot richtet sich insbesondere an Verantwortliche. Mithilfe eines strukturierten Workshop-Verfahrens können Bildungsstättenleitung, Teamleitung, Lehrkräfte sowie weitere Beschäftigte und gegebenenfalls auch Lernende und Kooperationsbetriebe anhand der Handlungsfelder einen Blick auf ihre Zusammenarbeit werfen. Ein 5-Stufen-Modell dient dabei als Qualitätsmaßstab. Ziel der kommmitmensch-Dialoge ist es, besser zu verstehen, wo es Handlungsbedarf gibt, und was getan werden kann. Im Mittelpunkt steht die Diskussion darüber, wie die Zusammenarbeit im eigenen Lehr-, Lern- und Arbeitsalltag erlebt wird und wie Arbeitsbedingungen und Verhalten künftig weiterentwickelt werden können. Die Dialoge können auch digital durchgeführt werden. Die Idee dahinter finden Sie hier.

Wem kann geholfen werden und wie erfolgt die Umsetzung?

Prinzipiell dienen die Dialoge allen Unternehmen der beruflichen Bildung, die Interesse am Thema beziehungsweise den Dialogboxen zeigen. Es ist zudem möglich, sich an die jeweils zuständige Aufsichtsperson der Prävention der VBG (VBG-Standorte) oder an bildungseinrichtungen@vbg.de zu wenden. In der digitalen und der gedruckten Version erhalten Interessierte Unterlagen zum Dialoge-Workshop, einen ausführlichen Leitfaden sowie eine Kurzanleitung zur selbstständigen Umsetzung im Unternehmen.

Hier geht es zu den digitalen kommmitmensch-Dialogen Berufliche Bildung

Was sind mögliche Erfolgsfaktoren, damit die Dialoge gewinnbringend in den Unternehmen der beruflichen Bildung eingesetzt werden?

Erforderlich ist das Commitment, also das Engagement von Leitung und Teamleitung und deren Überzeugung davon, dass Sicherheit und Gesundheit einen hohen Stellenwert in der Unternehmenskultur einnehmen. Zudem bedarf es der Bereitschaft, die eigene Kultur zu reflektieren und zu verbessern. Sinnvoll kann zudem die Einbeziehung von (langfristigen) Kooperationspartnern, z.B. Praktikumsbetrieben und von befristeten Beschäftigten oder Mitarbeitern an mehreren Standorten sein, um die Perspektivenvielfalt zu erhöhen.

Welche Erfahrungen konnten Sie bereits mit den kommmitmensch-Dialogen für berufliche Bildung sammeln?

Die Pilotierung fand digital in einem großen Bildungsträger statt, der bereits seit einem Jahr mit den Dialogen arbeitet. Die Dialoge erwiesen sich als gutes Tool, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen und Verhaltensweisen und Arbeitsbedingungen in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit sichtbar zu machen. Die Umsetzung wurde als hilfreich wahrgenommen, da sich die Teilnehmenden gut in die dargestellten Beispiel-Situationen hineinversetzen konnten. Das Tool eignet sich besonders gut für die langfristige Integration in den Arbeitsalltag und leistet somit nachhaltig einen Beitrag für die Weiterentwicklung der Präventionskultur. Einen Erklärfilm finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Präventionskultur finden Sie hier und bei kommmitmensch. Wer mehr über die VBG erfahren möchte, wird hier fündig.

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