Auf die Arbeit kommen, ist wie heimkommen.

Dieses Zitat einer Mitarbeiterin der Integrativen Kindertagesstätte „Paukenzwerge“ in Mülheim-Kärlich ist als Liebeserklärung kaum zu überbieten. In der Kita der stellvertretenden Leiterin Theresa Muth gehen bauliche Neuerungen, neue Ansätze im Umgang mit der Belegschaft und die Förderung durch die Unfallkasse Rheinland-Pfalz wunderbar Hand in Hand. Das Ergebnis: Ein Wohlfühlort.

Transparenz – wenn Architektur auf Führungskultur trifft

Zeige mir, wie du baust und ich sage dir, wer du bist. Bei dem Trio Sven Normann, Leiter des Kitabereiches der Verbandsgemeinde Weißenthurm, Bodo Köhmstedt, Referatsleiter für Bildungseinrichtungen und Aufsichtsperson der Unfallkasse Rheinland-Pfalz sowie Theresa Muth von den Paukenzwergen müsste die Antwort lauten: kommmitmenschen. Für Bodo Köhmstedt steht diese Antwort außer Frage: „Wir waren die erste Unfallkasse, die Betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert und ein eigenes Referat dafür gegründet hat. Die Kultur der Prävention passt zu uns. Persönlich finde ich die Kampagne toll, vor allem die Gesamtheit der Handlungsfelder, die ineinandergreifen.“ Im Januar 2018 war die Kita Paukenzwerge bezugsfertig. Es ist ein Gebäude, das von viel Glas geprägt ist. Die Räume sind um ein Atrium in der Mitte des Hauses gruppiert. Lichtdurchflutet ist die Einrichtung. Das Bauliche spiegelt hier ideal den Führungsstil wider – Transparenz. Theresa Muth: „Ich versuche alles im Team zu besprechen, um Rat zu bitten, Transparenz zu fördern, das ist mir einfach wichtig.“

„Persönlich finde ich die Kampagne toll, vor allem die Gesamtheit der Handlungsfelder, die ineinandergreifen.“

Raumklima – Klimawandel – auch im Kopf

Ein neues Raumkonzept entsteht nicht über Nacht. Sven Normann war von Anfang an dabei und hat bereits 1 ½ Jahre vor Baubeginn inhaltlich ein Innenraumkonzept entwickelt. Von der Anzahl der Wickeltische, über den Ort für die Trainingstoiletten, bis hin zur Größe der einzelnen Bildungsräume lief alles über seinen Schreibtisch. „Für uns ist die Kita Paukenzwerge die Antwort auf die Frage nach einer guten inklusiven Einrichtung“. Schmunzelnd erzählt er davon, dass es jetzt rechtlich festgelegt wurde, dass Kinderlärm kein Lärm ist, dennoch war die Akustik in den Räumen ein großes Thema. Ein Ingenieurbüro hat ausgerechnet wie hoch die Lärmbelastung ist und was gebraucht wird, um die Geräuschkulisse angenehm zu gestalten. „Es hat in den letzten zehn Jahren ein Quantensprung stattgefunden, im Bauen wie im Denken, was gesundheitsfördernd ist für Belegschaft und Kinder“.

„Für uns ist die Kita Paukenzwerge die Antwort auf die Frage nach einer guten inklusiven Einrichtung“.

Offene Kommunikation in jede Richtung

70 Kinder, davon zehn integrative Kinder, lernen spielend in vier Gruppen. Wobei das pädagogische Konzept ähnlich offen angelegt ist, wie die großzügige, klar strukturierte Architektur. Es gibt acht Bildungsbereiche, wie die unterschiedlichen Räume bezeichnet werden. Die Kinder können sich täglich entscheiden, ob sie lieber im Rollenspielraum oder im Kreativraum Zeit verbringen, ob sie lieber im Musikraum oder im Forscherraum unterwegs sein wollen. Diese Offenheit und das Fehlen fester Gruppen erfordert viel Kommunikation innerhalb des Kita-Teams. Theresa Muth findet es eine spannende Herausforderung: „Absprachen untereinander sind das A und O, denn jeder arbeitet mit jedem und alle müssen eigentlich über alles Bescheid wissen.“ Auch die Kita-Eltern würdigen den etwas anderen, intensiveren Umgang der Betreuerinnen und Betreuer, die jederzeit ein offenes Ohr haben für die kurzen Anliegen der Eltern. Sind komplexere Themen zu besprechen, werden extra Termine gemacht.

“Absprachen untereinander sind das A und O, denn jeder arbeitet mit jedem und alle müssen eigentlich über alles Bescheid wissen.“

Gelebte Vielfalt

Klingt gut und meint, dass jeder so sein darf, wie er nun mal ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um die Kinder oder die Betreuerinnen und Betreuer handelt. Was macht gute Beteiligung aus? Theresa Muth findet dafür einfache Worte: „Jeder soll authentisch und echt sein dürfen, sich nicht verstellen müssen. Genau das macht unsere Arbeit aus, jeden zu akzeptieren wie er ist.“ Das trifft für die integrativen Kinder zu, die im Haus von einer Ergotherapeutin, einer Physiotherapeutin, einer Logopädin und einer Psychologin betreut werden, die ein- bis zwei Mal die Woche in die Einrichtung kommen. Das trifft aber auch für die 14 Kolleginnen und Kollegen und den männlichen Praktikanten zu, die hier arbeiten. Das Team um Theresa Muth weiß es zu schätzen, dass Vielfalt gelassen gelebt wird: „Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sagen, dass so ein Umgang miteinander wie bei uns, so wertschätzend und freundlich, für sie ganz neu ist.“

“Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sagen, dass so ein Umgang miteinander wie bei uns, so wertschätzend und freundlich, für sie ganz neu ist.“

Harte Fakten – sanfte Umsetzung

Geht es um Sicherheit und Gesundheit ist Bodo Köhmstedt von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz der richtige Ansprechpartner. Seine Position ist die gleiche wie vor 18 Jahren, als er bei der Unfallkasse angefangen hat, aber die Ansätze haben sich geändert: „Früher wurden wir eher wegen baulicher Mängel kontaktiert. Heute kommen die Menschen vermehrt auf uns zu und wollen Unterstützung, um ihren Arbeitsplatz gesünder zu gestalten.“ So ist Bodo Köhmstedt unter anderem für die harten Fakten zuständig wie Raumklima, Raumakustik, Beleuchtung oder Ergonomie bei der Ausstattung, zum Beispiel bei der modernen Anziehhilfe, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Anziehen der Kinder erleichtert und sie wirklich ganz konkret auf Augenhöhe sind, auch mit den Kleinsten. Für Bodo Köhmstedt herrscht eine weit größere Sensibilität in Sachen Gesundheit, als noch vor 15 Jahren: „Es hat meines Erachtens ein Umdenken stattgefunden. Heute stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der eigenen Gesundheit viel sensibler und gesundheitsfördernden Neuerungen viel aufgeschlossener gegenüber. Das erleichtert unsere Arbeit ungemein.“

„Heute stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der eigenen Gesundheit viel sensibler und gesundheitsfördernden Neuerungen viel aufgeschlossener gegenüber.“

Gelebte Fehlerkultur von allen für alle

Ein Credo von Sven Normann, der überzeugt ist, dass man Gutes nur gemeinsam schaffen kann: „Wir müssen es schaffen alle ins Boot zu holen, die Hauswirtschafterin genauso wie die Kita-Leitung, wenn wir eine bessere Arbeitssituation erreichen und neue Wege gehen wollen.“ Vielleicht klappt nicht jede neue Idee aufs erste Mal oder es hakt mal. Dafür werden Supervisionen und Coachings angeboten. Viermal im Jahr können Kita-Leitungen sich von Experten beraten lassen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Teilnahme an Supervisionen freiwillig, für die Leitung verpflichtend. Geht etwas schief, dann wird darüber gesprochen, ohne dass daraus ein Problem gemacht wird. Ein selbstverständlicher Umgang für Theresa Muth: „Wenn man keine Fehler machen dürfte, wäre man hier falsch. Wir haben hier mit Menschen zu tun, mit kleinen wie mit großen, Fehler kommen vor, die werden dann einfach im Team besprochen.“

“Wenn man keine Fehler machen dürfte, wäre man hier falsch. Wir haben hier schließlich mit Menschen zu tun.“

Bunt ist meine Lieblingsfarbe

Heute wird niemand mehr belächelt, der ein besseres Betriebsklima oder eine offenere Kommunikation fordert. Ein Verdienst der kommmitmensch-Kampagne? Für Bodo Köhmstedt eher eine Frage des richtigen Timings: „Die Kampagne kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Boden war schon bereitet, zum Beispiel sind Gesundheitsaspekte bei der Arbeit mittlerweile in vielen Köpfen verankert.“ Auch Sven Normann sieht darin seine Aufgabe, die Gesundheitsaspekte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch weiter zu verbessern. „Die Essenszeit ist zum Beispiel so ein Thema. Zum einen gibt es für die Kinder eine bestimmte Zeit, wann sie essen, aber das ist auch die Zeit, in der vielleicht die Kolleginnen und Kollegen hungrig sind. Wie viel Personal brauche ich also, zu welchem Zeitpunkt, damit alle zufrieden sind und gut arbeiten können?“

„Die Kampagne kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Boden war schon bereitet, zum Beispiel sind Gesundheitsaspekte bei der Arbeit mittlerweile in vielen Köpfen verankert.“

Herausforderung annehmen

Souverän wirkt Theresa Muth, nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen und sie liebt, was sie tut. Bald gibt es für sie noch viel mehr zu tun, denn nach einer Bedarfsabfrage wurde festgestellt, dass die Kita „Paukenzwerge“ erweitert werden muss. Es wird noch einen Anbau geben, der bereits 2020 fertig gestellt werden soll. Drei Gruppen für insgesamt 40 Kinder sollen dort Platz haben. Für Theresa Muth einfach nur eine weitere Herausforderung: „Ich bin kommmitmensch. Das bedeutet für mich, dass ich offen bin, dass ich Offenheit in meiner Arbeit schätze und dass jeder hier willkommen ist.“

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