#Nachgefragt: Veränderungen für Führungskräfte während der Pandemie

Im Interview mit Marc Mundstock

Welche Veränderungen haben sich für Führungskräfte durch die Pandemie ergeben und wie erfolgt die stufenweise Wiederaufnahme des Normalbetriebs? Im Rahmen der kommmitmensch-Präventionskampagne für mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz spricht Marc Mundstock, Geschäftsführer des Axica Kongress- und Tagungszentrums, über Herausforderungen und Chancen durch die Pandemie.

Führen in Zeiten von Corona: Wie gehen Sie mit den Ängsten Ihrer Mitarbeitenden um und wie haben sich Ihre Aufgaben als Führungskraft diesbezüglich geändert?

Zu allererst musste ich sehr schnell lernen, mit meinen eigenen Ängsten umzugehen. Diese Angst reflektierte ich zunächst in meinem privaten Umfeld, durch ungerechtes Handeln, lautstarke Frustration und viele unsinnige Handlungen wie zum Beispiel zu viel Essen oder Trinken. Dazu kam das ständige Lesen von negativen Nachrichten, der Austausch mit frustrierten Dritten – das alles hilft und half nichts.

Ich habe schnell erkannt, dass meine althergebrachte Führung auf die neue Situation angepasst werden musste. Noch einmal mehr rückte der Mitarbeitende als Mensch, als Person, in meinen Fokus. Mein Antrieb etwas zu tun, ist seit langem der Mensch. Für diesen Menschen stehe ich morgens auf, aber dieser Sinn wurde jetzt noch einmal verstärkt. Wenn ich Frustration und Ängste in mir habe, dann war mir klar: die haben die Mitarbeitenden auch. Und jetzt den starken Mann zu spielen und so zu tun, als wüsste ich, was ich zu tun und wie ich es zu tun habe, wäre falsch gewesen. Ich bin dem Gefühl gefolgt, mich öffnen zu müssen. Das war kein taktisches Verhalten, sondern reflektierte aus meinen eigenen Gefühlen. Wie gerne hätte ich jemanden gehabt, der mich in den Arm nimmt und mir das Gefühl gibt, „alles wird gut“. Hätten wir als Führungskräfte geahnt, dass wir einer Pandemie zum Opfer fallen und mit ihr unser komplettes, seit 20 Jahren erfolgreiches Geschäftsmodell, hätten wir Schaden durch Vorbereitung abgewendet. So nutzen wir diese Zeit, endlich als Gruppe - als Team anders zusammenzuwachsen. Uns als die Menschen zu begegnen, die wir sind, mit den gleichen Ängsten, mit unterschiedlichen Stärken und hoffentlich mit einem gemeinsamen Ziel.

Welche Chancen birgt die momentane Arbeitssituation für das Unternehmen und Ihre Mitarbeitenden? Wie nutzen Sie digitale Möglichkeiten für die interne und externe Kommunikation Ihres Hauses?

Diese Zeit wirkt als Katalysator. Sind wir ehrlich, Mitarbeitende und Unternehmen haben immer Pläne für die Zukunft in der Schublade. Das Streben nach Effizienz und Veränderung ist doch meist da. Die Schubladen kreativer Ideen sind voll und meist werden sie mangels Zeit, Ressourcen oder anderer wichtiger und tagesaktueller Dinge nicht konsequent verfolgt. Nehmen wir das Beispiel mobiles Arbeiten: natürlich gab es Wünsche und Ansätze. Die hatten wir auch, zaghafte Versuche, viele technische Schwierigkeiten, großer finanzieller Aufwand für ein kleines Unternehmen und das Allerwichtigste: Die gegenseitige Akzeptanz, dass der nicht mehr physisch vorhandene Mitarbeitende auch wirklich arbeitet und nicht nur den Rechner anschaltet. Die Schwierigkeit der Online-Meeting-Teilnahme – nichts klappte. Dank der Pandemie und der Versuche im Vorfeld waren wir in 48 Stunden in der Lage, alle notwendigen Mitarbeitenden ins mobile Arbeiten zu bringen, Meetings durchzuführen. Inzwischen agieren wir damit so selbstsicher, als würden wir das seit Jahren machen. Ohne Pandemie…undenkbar. Das ist nur ein Beispiel, wo wir digitale Möglichkeiten, die immer schon vorhanden waren, jetzt beginnen konsequenter und bewusster zu nutzen. Das Analoge liegt uns näher, das Digitale ist kein Ersatz, niemals, aber eine gute Ergänzung, vor der wir keine Angst mehr haben.

Wie gehen Sie mit der stufenweisen Wiedereinführung des Normalbetriebs in Ihrem Unternehmen um? Wie beteiligen Sie Ihre Mitarbeitenden an der Rückführung und wie treten Sie mit ihnen dazu in den Dialog?

Die beste Kommunikation ist die des Dialoges. Führungskräfte sind sehr gefordert, diesen Dialog einzufordern. Das ist kein Selbstläufer. Und es gibt 1000 Fragen, die ich entweder gar nicht kenne oder die ich den Mitarbeitenden beantworten soll. Das geht nur in einem Miteinander. Diese Situation ist neu, wer hat das vorhergesehen? Niemand. Es ist eine Herausforderung, die Mitarbeitenden in einen Dialog zu bekommen, sie zu ermutigen, zu fragen, zu zweifeln, sich zu äußern… Es ist aber die einzige Überlebenschance für eine Gemeinschaft. Es geht nur mit einer vorgelebten Offenheit, mit einer hohen Toleranz, mit einer Kultur, die Fehler zulässt, schon fast fordert, um zu lernen. Und es geht nur mit sehr vielen Tränen, Gesprächen und aller Kraft für Mut. Das gemeinsame Miteinander ist der einzige Weg zurück in eine neue Normalität. In keiner Zeit vorher, die ich erlebt habe, war es wichtiger, dass die Tür offen steht, um in einen Dialog zu treten. War es früher die Bürotür, um das nächste Projekt zu besprechen, ist es heute das Tor zum Menschen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

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